Gudde Laune

Pand-ASTI-sche Ansichten

Nichtraucher WTF!

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Oh Gott, ich gehör jetzt zu der bekloppten Bevölkerungsgruppe, die sich den Vorsatz nahm mit dem Rauchen aufzuhören. Ich hatte das ja schon mal im November versucht, aber natürlich aufgrund des hohen Stresspegels wieder zur Zigarette gegriffen. Bla, bla, bla…Stress haben viele, ja. Natürlich habe ich auch geraucht, wenns stressig war. Aber ja vor allem weil das liebe Nikotin meinem Belohnungszentrum im Gehirn mit jeder Zigarette mentale Orgasmen besorgte. 

Ja, genau das hab ich so über die Jahre verinnerlicht: Nuckel an der Zigarette und Dir gehts gut. Um das mal ganz klar auszudrücken: Ich bin süchtig bzw. abhängig. Ich bin so süchtig, dass ich sogar rauche, wenn ich krank bin. Ich bin so süchtig, dass ich mich manchmal noch 10 Minuten vor Kiosk-Schließung in meinen Mantel geworfen habe, um mir neue Zigaretten zu kaufen. Nur um dann vor dem Schlafengehen wenigstens noch einmal eine zu rauchen. Der absolute Tiefpunkt war aber Weihnachten: Schneegestöber, Kiosk zu, sowieso eingeschneit. Gott sei Dank, gab es im Aschenbecher auf dem Balkon noch eine Zigarette, die nur zu 60 Prozent verraucht war. Ganz toll. Stummel rauchen. Nächste Woche hätte ich dann mit dem Pfandflaschen sammeln angefangen.

Also, schon Wochen vor Silvester war der Plan gefasst: Ganz viel trinken und ganz viel rauchen, damit ich Neujahr komplett verschlafe und der erste rauchfreie Tag geschafft wäre. Silvester hatte ich den ganzen Tag nicht geraucht. Erst abends zur Party kaufte ich mir eine neue Schachtel. Hatte ich also ganz schön viele Zigaretten. Getrunken hab ich jetzt auch nicht so viel. Neujahrmorgen so gegen halb 6 Uhr gingen wir zu einer Freundin. Auf dem Weg dahin hab ich die letzte Zigarette geraucht. Und ich hätte noch einiges wegrauchen können an dieser Zigarette. Das fiel mir dann ein, als ich sie wegwarf. Huch! Ist doch meine letzte. Tja, die letzte Zigarette war ein bisschen unromantisch. Da war auch kein Genuss dabei. Das ärgert mich ja immer noch ein bisschen. Ich zelebriere doch Abschiede immer so gerne. :) Neujahr verschlafen klappte auch nicht. Meine Freundin stand schon um 10 Uhr wieder auf, weil sie Kuchen backen wollte. Ich bin dann um 12 Uhr aus dem Bett gepurzelt. Tja, und seitdem läuft der Entzug.

Es ist gottverdammt noch mal ein Entzug. Ich hatte gelesen, dass die ersten 48 Stunden die schlimmsten seien. Die sind jetzt aber schon lange vorbei. Und erst seit Montag merke ich richtige körperliche Entzugserscheinungen. Ich schlafe nicht mehr durch. Also ich werde so zwischen 4 und 5 Uhr wach und kann nicht mehr einschlafen, obwohl ich hundemüde war und bin. Ich werde auf eine sehr unangenehme wach. Ich kenne dieses wach werden aus anderen Zusammenhängen. Mag ich gar nicht.

Ich bin total unkonzentriert und total sensibel. Bin ich ja auch so schon. Aber das schlimmste ist: Ich hab Angst. Oder was anderes. Seltsames Gefühl. Kann ich noch nicht zuordnen. Jetzt kann man natürlich vermuten: Tja, die junge Dame möchte ja gar nicht aufhören. Sonst wäre das kein Problem.

Doch! Ich möchte aufhören. Zum ersten Mal geraucht hab ich mit 16. Da natürlich noch unregelmäßig. Aber insgesamt waren das 13 Jahre rauchen. Au weia. Ich hab wahrscheinlich nen ganzen Bollerwagen Teer weggeraucht. Ich mag nicht mehr rauchen. Mir wurde in den letzten Wochen teilweise davon übel. Dann die schlechte Haut, die ich schon Jahre habe. Ja, die habe ich. Ich kann die nur sehr gut wegschminken. Aber mein verpickelter Rücken war z.B. der Grund warum ich dieses Jahr keine tollen Sommer-Oberteile getragen habe. :( Die konnt ich mir ein bisschen wegcremen, aber wenn ich die Creme weggelassen habe, dann kamen die wieder. Und das kann nur vom Rauchen kommen! Und wenn ich meine Augenringe nicht wegschminke, seh ich immer total fertig aus. Ich bin blass. Ich jappse beim Stufensteigen. Joggen kann ich besser denn je. Aber so im Alltag merk ich diese Einschränkungen. Ich renn schon gar nicht mehr dem Bus hinterher.

Außerdem mach ich mir wieder mehr Gedanken über Krankheiten. Ich bin ja totale Gegnerin vom Tod. Also, der gehört für mich leider nicht zum Leben dazu. Jaja, ich hab da so meine Probleme mit – dennoch – paradoxerweise habe ich geraucht.

Ich mag es nicht, dass ich mich nach etwas richte was i.) nichts bringt ii.) mich zu stark einengt iii.) mich krank macht – klingt nach Mann. :) Ich hab es schon mal geschafft von etwas loszukommen, was nicht gesund war. Ich hab das schon einmal geschafft. Jetzt ist es fast die gleiche Situation. Vielleicht war es ein Fehler genau an Neujahr aufzuhören? Diesen Tag kann man sich so leicht merken. Jetzt beginnt ja das Zählspiel, genau wie nach Trennungen:“Jetzt sind es schon 5 Tage…Schon 2 Wochen…Schon 3 Monate ohne ihn/es…“ Durch diese Zählerei bleibt es präsent, gerade für Menschen wie mich, die sich gedanklich sehr zwanghaft auf vieles schnell fixieren, ist das nicht so optimal. Erst muss genug Zeit vergehen. Irgendwann vergisst man auch Dinge. Ich weiß schon gar nicht mehr das Trennungsdatum vom letzten Mal, geschweige denn den Jahrestag mit meinen beiden Freunden. Mmh…schon irgendwie gruselig. Aber alles braucht seine Zeit, seine Umgewöhnung.

ABER! Ich hab es schon einmal geschafft mit ganz viel Disziplin und Willenskraft, aber vor allem weil der Wunsch nach Veränderung und Besserung da war. OK, ich hab dann damals was anderes dafür bekommen 😀 , aber…das eine hab ich geschafft. Und deshalb weiß ich was jetzt auch was auf mich zukommt. :( Gedankenkreisen, mit sich selber kämpfen, sich ablenken, bei einem potentiellen Rückfall nicht gleich komplett aufgeben. Ehrlich bleiben, sich selber belohnen, bei Erfolgen stolz auf sich ein. Iiieh…Das ist ja auch so eine Sache. Hab ich mir hier mal durchgelesen, wie man sich selber belohnen kann. „Ein herrliches Vollbad nehmen.“ Äähhh? Das ist doch totaler Quatsch. Ich mein, waschen muss man sich ja. Und manchmal sitz ich in der Wanne und dusche. Und dann lass ich laufen, also das Duschwasser in die Wanne. Und dann hab ich die Idee zu baden. Das ist doch keine Belohnung, auch wenn das nur 1-mal die Woche vorkommt. Das ist doch manchmal einfach normal, dass man badet. Nein, das mit den Belohnungen hab ich noch nicht raus.

Rauchen ist mit Ritualen verbunden. Ich rauchte nach dem Essen, zum Kaffee, nach dem Kaffee; ich rauchte, wenn ich auf den Bus oder den Zug warte; ich rauchte, wenn ich traurig war oder mir Gedanken zu etwas gemacht habe (WANN MACH ICH DAS NICHT?); ich rauchte, wenn mein PC ausging und wieder hochgefahren werden musste (LANGEWEILE!); ich rauchte, 10 Minuten vor der Sendung etc. Und grad hab ich Kaffee getrunken und jetzt sitz ich hier und denke:“Ist doch scheißegal. Geh zum Kiosk und hol Dir eine Schachtel.“ Und jetzt stell ich mir vor, wie viel Geld ich im Jahr einspare und was ich mir stattdessen mal holen könnte. Oder wie sich meine Lunge wieder regeneriert und ich nicht elendig am Lungenschleim ersticken werde. Und dann denk ich: „Nee, weil ich sterbe ja eh vielleicht am Eierstockkrebs.“ Und so spielen sich die Synapsen munter lustige Bilder und Gedanken hin und her und ich sitze hier und hab die Pisse in den Augen, weil ich meinen Kopf nicht ausstellen und gar nicht verstehen kann, warum das so schwer ist, einfach aufzuhören! LOSZULASSEN!

Ich denke an meinen Freundeskreis: meine beste Freundin raucht nicht. Die darf sich dann mein Gejammer anhören. Ansonsten hält es sich so die Waage mit den Rauchern-Nichtrauchern. Ich hab mir auch Alternativen überlegt. So Tabak und so. Ist aber auch alles schlecht. Alles was man verbrennt und dann inhaliert. Ich brauch also vor allem neue Rituale. Sport ist für mich vorwiegend joggen. Gott sei Dank, der Schnee und das Eis vergehen. Im Park bei uns schafft man es grad so eben spazieren zu gehen, ohne sich zu verletzen. Aber nicht mehr lange, dann lauf ich auch wieder. Ich bin jetzt so ein Spaziergänger geworden. Ich geh ganz viel spazieren. Abends. Schneller Schritt, über ne Stunde, laut Google Earth 6km. Macht auch Spaß. Danach hab ich gesunden Hunger und bin müde. Ob ich heute rausgehe weiß ich nicht, ich bin hundemüde. Ehrlich!

Tja, also, kann sein, dass ich das doch nicht schaffe und am WE wieder an der Kippe hänge. Ich hab mich manchen Situationen oder auch Leuten noch nicht gestellt, in denen/bei denen ich geraucht habe.

Vielleicht werde ich Partyraucher oder Fremdschnorrerraucher. Also jemand, der sich keine Zigaretten mehr selber raucht. Nein, das ist Quatsch. Das bringt gar nichts. Ich fänds nur toll, wenn mein krankes Hirn sich mal freuen würde, dass ich wieder richtig durchblutet werde, dass ich ab sofort nicht mehr nach Qualm stinke, dass ich wieder durchatmen kann, dass ich weniger Zahnbelag habe, dass ich Geld übrig habe, dass ich mich nicht fremdbestimmen lasse. Ich bin total irre im Moment und vielleicht gestehe ich nächste Woche, dass ich voll die Lusche bin, eine eklige Stummelraucherin, die sich nicht im Griff hat. Vielleicht ist das nur einer von vielen Anläufen, um endlich von dieser Sucht loszukommen. Vielleicht stelle ich zu viele Fragen, vielleicht denke ich zu viel wirres Zeug, vielleicht sollte ich mir einfach nur mal Lavendel aufs Kissen spritzen, damit ich wieder schlafen kann. Und vielleicht versteht das ein Nichtraucher nicht, dass ich so ein Gewese um etwas mache, was nicht schmeckt, was ungesund und was teuer ist. Hey, stellt euch einfach die leckerste Schokolade vor, die ihr je gegessen habt. Stellt euch vor, ihr habt schon einiges davon genascht und ihr habt auch keinen Hunger, weil ihr euch immer richtig satt esst. Aber ihr wollt unbedingt noch ein Stück von dieser Schokolade haben. Natürlich schmeckt Schokolade viel besser als Tabak. Aber ich mein dieses Verlangen, dieser Moment, dieses Gedankenspiel „Soll ich oder nicht.“

So viel zu meinem Start ins neue Jahr. Ich breche mit alten Gewohnheiten und Süchten. Naja, ansonsten bin ich nach wie vor eine hoffnungslose Romantikerin, die einfach nicht glücklich werden will. :) Und jetzt mag ich diesen Artikel nicht veröffentlichen, weil ich denke, dann ist es offiziell oder so, vielleicht sollte ich es für mich behalten.

8 Kommentare

  1. Ich drück dir die Daumen, dass du das durchhälst.. ich kenn das Genörgel wenn jahrelange Raucher aufhören wollen 😉 und auch den Gesichtsausdruck wenn sie es dann doch nicht schaffen (wollen). Daher… halt durch 😉

  2. Hey Asti, Kopf hoch! Ich bin und war zwar immer Nichtraucher, aber ich kann dir dennoch ein wenig nachfühlen. Auch weil aus meinem Bekanntenkreis sich schon ein paar Menschen mit einem harten Schnitt mit dem Rauchen aufgehört haben – und das soll ja das einzige sein das wirklich funktioniert. Die haben das auch ohne Nikotinpflaster oder ähnliches gemacht, einfach irgendwann ne Zigarette weggeworfen und gesagt, so, das war die letzte. Ich habe unglaublich viel Respekt vor der Willensstärke und Disziplin die dazu gehört. Sie haben sich auch neue Rituale angewöhnt bzw. Sachen gemacht um sich abzulenken. Aber ich bin mir sicher, du schaffst das auch!

  3. Danke!Danke!Danke!

    Im Moment zähl ich nur Tage und bin froh abends im Bett zu liegen und mal wieder einen rumgekriegt zu haben. Ziemlich doof. Weil ich hab ja jetzt mehr Zeit, die könnte ich sinnvoller nutzen. :) Also bei 10 Zigaretten am Tag und dann knapp 8 Minuten pro Zigarette sind das 80 Minuten mehr Zeit. 😀

    Aber im Moment häng ich da echt noch in den Seilen.

  4. Ich find’s gut! Also nicht dass Du leidest, aber das mit dem Aufhören. Nicht weil das Rauchen Nichtraucher nervt, sondern weil es ganz offensichtlich Dich nervt. Mach‘ Dich nicht selbst verrückt und halte durch! Ich drück‘ die Daumen.

  5. Ich wünsche Dir alles Glück der Welt, du wirst es brauchen! Sagt der Mull, der Mitte November die Qualmerei an den Nagel gehängt hat. Und noch heute vergeht kein Tag, an dem ich mir nicht mindestens einmal eine Zigarette wünsche. Aber sie wird kommen, die Zeit, in der ich glücklich und befreit bin. Das Essen wird besser schmecken, ich kann frischer atmen, alles wird gut…Bestimmt.

  6. 4 Wochen! Und ja einmal am Tag oder auch zweimal denk ich auch noch dran. Aber es ist momentan kein großer Krampf. Es ist toll!

  7. Ich frage mal frevelhafterweise: „und?“

  8. Herzchen, ich bin immer noch Nichtraucher. Ja, ich halte es durch. Ich treffe mich mit Freunden und schaue ihnen beim Rauchen zu. Ich sitze in der Kneipe, trinke Bier und müsste nur meine Freundin lieb anlächeln, sie würde mir ganz sicher eine Zigarette geben. Ich tue es nicht. Ich will es nicht. AAAAAAAABER

    Es ist jetzt nicht so, dass ich nur positive Erfahrungen mache. Gegen die schlechte Haut hilft wohl nur mal ein Besuch beim Hautarzt. Atembeschwerden habe ich derzeit aufgrund des Heuschnupfens. Und was gar nicht geht ist diese Gewichtszunahme, die ich einfach nicht kontrollieren kann. Da dreh ich durch, da raste ich aus. Aber ich bleib tapfer und freue mich manchmal auch ein bisschen. Aber nur ein bisschen.

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