Gudde Laune

Pand-ASTI-sche Ansichten

„Lach doch mal!“

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Hat bestimmt jede Frau schon einmal gehört. Das sagen Männer manchmal. Besonders in Feier-Lokalitäten, denn schließlich gehen wir raus um Spaß zu haben, uns zu freuen, erweiterte Ringel-Rangel-Rose-Tänzchen aufzuführen und natürlich auch, um sich an den sympathischen Menschen zu erfreuen. Denn wir alle wollen ja glücklich sein, ganz besonders in der Freizeit. Und diejenigen, die dann nicht so glücklich wirken, aus welchen Gründen auch immer, die versucht man mit einem verbalen Tritt ein wenig aufzumuntern.
„Lach doch mal!“ „Du bist süß, wenn Du lächelst!“. „Mit der Laune hättest Du auch zu Hause bleiben können!“ Ist ja auch nachvollziehbar, wie gehen abends aus, um von den Alltagssorgen Abstand zu gewinnen. Diese für wenigstens ein paar Stunden ganz einfach irgendwo in die Ecke stellen, um sie erst am nächsten Tag wieder hervorzukramen. Da ist jemand mit einem Miesepeter-Gesicht, der nicht lacht oder was auch immer für eine unglücklich geartete Gesichtkirmes veranstaltet, einfach eine unschöne Sache. Das muss ja nicht sein. Schlechte Laune bleibt zu Haus. Gudde Laune geht raus. Das geht ja sonst nicht. Das macht jedem anderen dann auch schlechte Laune. Oder andere fühlen sich gezwungen was zu „unternehmen“, damit es dem Miesepeter wieder besser geht. Das kann ich auch alles nachvollziehen. Ich unterstelle da nicht jedem gleich böse oder oberflächliche Absichten. Nein, nein.

Ich hab das früher schon oft gehört. Mit Anfang 20 war ich noch etwas besorgter um die Oberfläche und war oft mit mir selbst beschäftigt, ziemlich kritisch und unzufrieden. Gerade wenn ich mich dann unter die Leute begeben habe. Das war früher oft eine angespannte Sache. Besonders wenn dann mal was gespannt hat. Das Alter bringt ja nun doch auch Weisheit mit sich! Ich ärgere mich zwar immer noch über größere oder kleinere Gewichtsschwankungen, aber ich verfalle deswegen nicht gleich in Panik oder verschanze mich hinter meiner Tür, weil ich plötzlich nicht mehr in diese Hose passe. Im Laufe der Zeit hat sich auch einiges an Kleidungs-Ausweich-Material angesammelt: Ich habe mehrere Kleidergrößen vorrätig. Ich bin auf Zu-oder Abnahmen vorbereitet. Ich zelebriere da auch nicht jeden Tag großartige Styling-Exzesse so wie früher jeden Tag(!). Zumindest war es früher klar, dass dem Miesepeter-Alarm wieder große Selbstwertgefühlstörungen vorhergingen. Da war schon beim Hinaustreten in die Nacht klar: Das wird Mist. Aber dieser gedankliche Exkurs führt jetzt zu weit, es geht ja schließlich um das gesellschaftlich akzeptierte und bitteschön auch gewollte ZZ! Zähne-Zeigen! Lachen! Herzlich und freundlich! Strahlen! Gudde Laune eben!

Ich habs in letzter Zeit wieder öfter gehört. Schon vor ein paar Monaten meinte jemand: „Du wirkst ausgelaunt!“ Oder „Du wirkst so trübselig.“ Auch schön, wenn doch gleich etwas härter „Guck nicht so böse.“ Das Dilemma, also das was mich schon ein wenig fertig macht ist: Ich merke es manchmal nicht. Ich gehe raus, ich freu mich drauf und dann hör ich sowas. Das trifft mich immer so wieder Schlag, weil ich denke: Nein, nein, nein…du guckst nicht so!

Da war ich also bei diesem High-Society-Event in der Essener Grugahalle. Die Gäste saßen schon an den Tischen während ich am Eingang zum Saal stand und einfach nur auf meine Begleitung wartete, die grad durch den Saal flitzte, in wichtiger journalistischer Mission. Ich stand da so in meinem Kleidchen und den schwarzen Schühchen und wurde plötzlich von so einem Hallen-Koordinator (wirklich sehr nett und freundlich) angesprochen, ob alles in Ordnung sei. Ich antwortete ihm, ich würde nur auf jemanden warten. Daraufhin meinte er: „Dann ist ja gut. Sie schauten nur so traurig!“ Klatsch den Frosch an die Wand bzw. in mein Gesicht. Das kann doch nicht. Vielleicht hab ich entsetzt geguckt, wegen der Lisa L…O…C…H oder der Botox-Frau, die da rumflanierte. Oder weil ich nix vom Essen abbekommen habe. Nee, das wird es nicht gewesen sein. Aber was mich so gruselt: Ich merk es nicht. Und noch viel grässlicher ist es, wenn ich einfach nur normal ausschauen will. Also, einfach nur normal. Nicht besonders aufgedreht, nicht besonders hinreißend, fröhlich, böse, verärgert oder so. Im Alltag, wenn ich die Straße langlaufe, wenn ich im Bus sitze etc. Alles schon vorgekommen, dass ich einen Bekannte oder Freunde getroffen habe, die dann fragten, warum ich so traurig aussehe. Ich mag das nicht. Mir entgleitet meine Visage in Richtung traurig und betrübt. Ich stand da ja einfach nur im Saal und habe gewartet. Warum sah ich nicht einfach gelangweilt aus? In so Schuhen da so zu stehen ist ja kein Grund, um traurig auszusehen. Ich hörte den Satz hinterher noch mal ein wenig abgewandelt. Trübselig war dann das Adjektiv der Wahl. [OK, im Laufes der Abends trafen diese Beschreibungen bestimmt auch zu. Nach 3 Stunden Rumstehen ist mir der Kreislauf wieder durchgedreht. Schweißausbrüche, der Kreislauf versagte. Was dazu führte, dass ich am Stehtisch mehrmals in die Hocke gegangen bin, weil es dann besser ging. Dann wieder für ne halbe Minute hochgekommen bin, dann alles wieder hell wurde vor den Augen und der Schweiß wieder kam und ich dann wieder in die Hocke gegangen bin. Das muss lollig ausgesehen haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Und natürlich sah ich danach alles andere fröhlich aus.]

Auf der anderen Seite weiß ich, dass ich ein besonderes Lachen habe. Ich kenn mein Lachen, ich muss manchmal lachen, weil ich eben gerade lache. Ich lache manchmal auch richtig schmutzig, dann grunz ich wieder oder ich giggel vor mich hin. Ich habe es selber schon auf Aufnahmen gehört oder gesagt bekommen, dass ich ein lustiges Lachen habe. Das ist auf jeden Fall facettenreich. Und ich mag mein Lachen. Und ich mag es auch zu lachen. Auf der anderen Seite gibts dann aber wohl nur diese eingeprägte, traurige Mimik. Ach, gar keine Mimik. Betrübt eingefärbte Ausdruckslosigkeit. Den normalen Gesichtsausdruck muss ich anscheinend noch finden oder üben?!

Diese Traurigkeit hat wohl auch meist wenig mit dem konkreten Kontext zu tun. Dahinter steckt was anderes. Klaro. Was schlepp ich denn da nur die ganze Zeit mir mir rum? Ein riesen Päckchen, oder besser gesagt: ein Bündel. Ich hab darin Sorgen und Ängste eingewickelt und neue Sorgen, die hinzugekommen sind, die hab ich auch einfach nur eingewickelt und an das bestehende Bündel festgebunden. Jetzt hab ich also dieses unhandliche Riesen-Lumpen-Bündel. Wenn ich das Päckchen etwas leichter mache, wenn ich ein paar Dinge abwerfe oder loswerde, wenn das alles mal leichter werden sollte, wird sich diese traurige Visage verändern zu einem normalen Gesichtsausdruck. Oder wird es so bleiben mit der traurigen Visage? Oder ist es bei mir einfach so, dass das zu mir gehört, dass ich das bin, dass ich das behalte, womit ich die Mimik meine – das Päckchen will ich in der Form nicht behalten!

Ich würde jetzt zu gerne das Foto einstellen, dass an dem Abend entstanden ist. Genau genommen sind zwei entstanden: bei dem einen seh ich so aus, als würde ich dem Fotografen mit meinen Blicken sagen wollen:“Mach das Foto und verpiss Dich.“ Bei dem anderen Foto ist es ein wenig besser, allerdings lächel ich nicht, ich verziehe meinen Mund so seltsam. Ich dachte eigentlich, ich würde lächeln. Aber die Mundwinkel übersteigen ein gewisses Gradmaß nicht.

Ich bin einfach nur oft überrascht, dass ich da so traurig aus der Wäsche schau, obwohl ich es selber nicht registriere, das eben dazu passende Gefühl. Und warum es immer traurig ausschaut, und nicht einfach nur ausdruckslos. Warum da immer diese fiese Spur des Trübsals dran klebt.

Edit: Der Fotobeweis.


4 Kommentare

  1. Yo, genau dasselbe kenne ich auch! Wobei es bei mir wohl eher „aggressiv“, „böse“ oder sonstwas ist und weniger „traurig“. Das ist wohl halt mein Gesicht und ich mach das auch nicht extra und es nervt mich, dass Menschen das nicht einfach so akzeptieren können, dass ich so aussehe und nicht den ganzen Tag immer nur lächeln und lachen kann. Das ist auch anstrengend. Ich will mein Gesicht einfach so hängen lassen, wie es da nun mal hängt. Und ich merke das auch nicht, dass ich SCHEINBAR böse oder verbittert gucke, wenn ich eigentlich in dem Moment einfach nur „normal“ oder indifferent bin. Das müsste man sich mal rausnehmen, ständig andere Leute so unverschämt auf ihr Gesicht oder ihre Mimik anzuhauen. Also, für mich ist das ein 1A-Aufrege-Thema!

    Meine Fresse ist so, die bleibt so und wenn ich Bock habe zu lachen, dann lache ich. Wer mich lachen sehen will, soll mich zum Lachen bringen und sich ansonsten verpissen, sonst gucke und vor allem WERDE ich wirklich mal böse. Unerhört!
    *jetzt in rage verfallen ist*

  2. Natürlich, andere haben ein Dauergrinsen drauf. Da fragt ja auch keiner „Hast Du ein Honichkuchenpferd gefressen?“

    Mmh, aber dass ich das nicht merke finde ich ja noch schlimmer, als fremde Leute, die mich darauf ansprechen.

    „Wer mich lachen sehen will, soll mich zum Lachen bringen und sich ansonsten verpissen.“ Das ist gut. Wenn mich demnächst einer anspricht und auf mein trauriges Gesicht aufmerksam macht, dem sag ich das! „Ja, dann heitern sie mich doch mal auf!“ LOL

  3. Ich sach dat schon seit längerem, immer mal wieder wenn ich dat höre. Der Erfolg ist aber gleich Null. Auf dem neuen FB-Profilfoddo siehst du übrigens ein bisschen nach Zahnschmerzen aus. Und, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf: Du scheinst meist mit geschlossenen Lippen zu lächeln. Zumindest auf deinen mugshots da oben sieht das so aus. Ich glaube, Zähne zeigen macht in der Tat einen Riesenunterschied zu Nicht-Zähne-Zeigen. Aber trotzdem hat einem das keiner zu sagen. Die alten Nervköppe alle… 😀

  4. Ich will meine Zähne nicht zeigen. Deswegen presse ich die immer so zusammen. Alles andere sieht nämlich noch debiler aus. Also mach ich immer Presswurst-Lächeln, wodurch aber noch stärker die Wangen und die Grübchen betont werden und was immer dazu führt, dass der zusammengepresste Mund schief wird, also das ganze Gesicht gequetscht und schief und doof wirkt.
    Aber sagen muss mir das ja keiner, das stimmt. :)

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