Gudde Laune

Pand-ASTI-sche Ansichten

It’s all about the hype

| 9 Kommentare

Ich bin neidisch, wie andere schreiben. Ich bin neidisch, wie andere sich ausdrücken. Wie andere sich geben. Wie sie Kontakt zu anderen aufnehmen. Wie sie es schaffen, den Kontakt so gestalten und zu halten. Ich bin neidisch auf die Art, wie andere denken können. Wie sie so hübsch akademische Texte verfassen können. Wie sie akademische Onanie praktizieren. Toller Begriff. Hab ich irgendwo aufgeschnappt. Ich weiß gar nicht mehr wo. Hab ich also geklaut. Hab ich nicht selber ausgedacht.
Mir haben schon Menschen gesagt, sie halten mich für überdurchschnittlich intelligent. Ja, aber für was denn? Ich habe von vielen Dingen gesundes Halbwissen. Ich bin eine Expertin für nix. Ich kann hier und da ein wenig. Das reicht mir aber nicht. Wenn ich wenigstens einwandfrei schreiben könnte. Ich hab ne Schwäche bei der Kommasetzung. Ich hasse diese nach unten auslaufenden Punkte. Die sind doof. Ich kann nicht programmieren, ich kann keine Fremdsprache richtig gut, ich habe mich schon jahrelang nicht mehr mit Mathe beschäftigt. Naja, Kopfrechnen kann ich gut. Kein Problem mal eben drei Geldbeträge mit 2 Stellen vor und auch nach dem Komma auszurechnen. Ja, da kann mich das Komma mal. Da hab ich es im Griff. Ätsch.
Andere haben Talent. Sie haben eine gottgegebene tolle, sympathische, warme Stimme. Meine Stimme ist auch angenehm. Aber auch kein Alleinstellungsmerkmal. Haben andere auch. Was kann ich denn? Ich weiß nicht, was ich kann. Ich kann Tabellen erstellen, ich kann Vorlagen erstellen, ich kann Strukturen aufschreiben, Anweisungen niederschreiben, Kommunikationsmodelle entwerfen. Ja, da versuch ich die Realität an etwas anzupassen, von dem ich denke, dass das so richtig ist. Ja, ist das ein bisschen starr, ein bisschen zu normativ. Und oft nicht flexibel genug. Das System-Asti hat genau festgelegte Rahmenbedingungen.
Dann versuch ich mich bei kreativen Dingen. Hat auch schon geklappt. Gab nette Rückmeldungen. Ist aber auch nicht meine Begabung. Ich bin kein Comedy-Talent. Keins von beiden (Orga-Mensch, Kreativ-Mensch) ist so wirklich meins. Diese Strukturiertheit hört auch spätestens bei der Gestaltung meines persönlichen Umfelds auf. Mein Desktop ist meist überfüllt und hat jüngst 90 Dateien drauf. Dann gibts noch die beliebten Dateienordner ALT oder ALT2. In jedem dieser Ordner gibts nen Unterordner REST. Toll.
In meinen 4 Wänden kann ich gar nicht normal laufen. Hier liegt alles auf dem Boden. 5 Teller häufen sich neben meinem gesamten Sockenbestand. Alte Hosen auf dem Boden, Unterwäsche. 4 Haufen insgesamt. Im Kleiderschrank hänge die Sachen an Kleiderbügeln. Der Rest wird einfach reingeschmissen. CHAOS.
Ich weiß nicht, was ich kann. Nach nun 29 Jahren weiß ich nicht, ob das der letzten Jahre nur ein schöner Zeitvertreib war oder meine Zukunft ist. Ich habe keine Vorbilder. Keine vorgelebten Lebensentwürfen. Meine Eltern sind nicht akademisch, sondern einfache Leute. Versuchen zu verstehen was ich mache, kapieren es aber nicht. Kapier ich ja selber manchmal auch nicht. Eigentlich mach ich ja nichts. Ich renn da was nach und weiß gar nicht, wie ich das angehen könnte. Mir fehlt im Moment ein Fixpunkt, eine Perspektive.
Und ich bin bequem. Ich bin so verdammt bequem, weil ich den kompletten Absturz nicht befürchten muss. Das ist einerseits schön, es beruhigt, aber andererseits wird es dadurch noch schwieriger überhaupt irgendwie mal dem nachzugehen, was mich vielleicht, wenigstens ein paar Zentimeter dem näherbringt, was ich will. Doch das beißt sich die Hinterhofkatze ja selber in ihren Hinterhofschwanz. Was will ich denn? Was wäre jetzt wichtig? Sich ein Ziel zu stecken und darauf hinzuarbeiten? Oder erstmal wieder in Schwung kommen und sich das Ziel offen legen. Stück für Stück.

Gelassenheit. Vertrauen. Selbstzufriedenheit. Keine Angst vor der eigenen Courage. Ja, alles mal gesammelte Persönlichkeitsbegriffe. So ne Mini-Tag-Cloud für den Alltag und die eigene Charakterentwicklung. Leider stehen diese Begriffe nur auf Papier bzw. jetzt hier. Wenn sie wirklich mal als begleitendes Wölkchen über mich schweben würden. „Ich geh mit meiner Wolke und meine Wolke mit mir. Hier unten ist das Leben dort oben die Anleitung dafür.“
Mir hilft es auch gar nix, gar nix, zu hören, was ich doch alles kann und was ich bin. Ich brauch einen Weg, wie ich da gewisse Dinge erkennen kann. Und wie ich vielleicht dieses trotzige, fordernde kleine Blag in mir ein bisschen mäßige. Und das hab ich jetzt so runtergeschrieben. Macht das Sinn? Im Grunde ist es nichts weiter als wieder mal ein Text, in dem ich lamentiere und jammere und klage. Ja, das kann ich gut. Ich bin die Grande Dame des Jammerlappens. Mag jemand mein Gemahl sein?

9 Kommentare

  1. Bis auf deine familiäre Herkunft stimme ich mit dir in fast jedem Wort überein. Und das ist leider alles, was ich kann – zustimmen und mitempfinden. Sobald ich herausgefunden habe, was getan werden muss und kann – du weißt es als Erste!

  2. sieh die positiven Seiten :)

    Deinem kommenden Gemahl kannst du direkt sagen ‚Du magst meine Klamotten am liebsten aufgehäuft am Ende des Bettes … such dir einen aus! Schau. Dort dort und dort – deine Wahl‘

    Und bis dahin … Kaffee?! [_]° weil ist ja noch früh am morgen.

  3. Ja, Kleiderhaufen sind auch praktisch. Der kommende Gemahl hat dann wohl gar keine andere Wahl.

    @Yennefa: Ja, me too. Also wenn ich was weiß.

  4. Willkommen im Club „Das Zeitalter der Selbstverwirrung“.

    So wie Dir geht es denke ich Millionen von Menschen.

    Mach Dir nix draus^^

  5. Liebes Asti,
    ich verstehe Dein Problem nicht. Hast Du überhaupt ein Problem?

    Oder ist Dir vielleicht einfach der Fokus verrutscht?

    Keiner Deiner Freunde will, dass Du bist wie jemand anders. Sie sind Deine Freunde weil Du bist, wie Du bist. Dafür mögen wir Dich.

    Alles andere… kommt und geht wie es beliebt. Das Leben an sich neigt eben nicht dazu in den Bahnen zu verlaufen, in denen wir es gerne hätten.

    Also: be springy, be yourself.

    Alles andere geht eh schief 😉

  6. Ah! Da ist sie wieder! Asti! q.e.d. sach ich da mal …

  7. Oh ja, ich habe ein Problem. Und wenns auch nur ein verrutschter Fokus ist. Reicht ja schon.
    Ich könnte jetzt schreiben, dass ich ja irgendwie nicht weiß, was ich bin oder wer ich bin. Und ich habe gerade ein paar Minuten wirklich lange darüber nachgedacht, so dass mir schon ganz schwindelig geworden ist.
    Und wenn ich weiterhin bleibe wie ich bin…na dann gute Nacht.

    (ebenfalls) q.e.d

  8. Ernsthaft: ich kenne nur Deinen Blog und eine handvoll Tweets. Daraus ergibt sich ein Bild (vermutlich unvollständig). Ich lese Deinen Text und habe einen Menschen vor Augen. Wo ist das Problem? Darf es denn keine Unsicherheit und keine Zweifel geben? Unsinn! Das ist ein Aspekt, der einen Menschen ausmacht. Alles gut. – Es sei denn Du schaffst es morgens vor lauter Zweifel nicht mehr die Zähne zu putzen …

  9. Natürlich. Ecken und Kanten. Facetten beim Charakter. Das mag ich auch beim Menschen. Aber mit dem nicht mehr Zähne putzen können (vielleicht auch manchmal nicht wollen?) liegst Du aber auch richtig.Meine Biographie ist aufgrund von unterschiedlichen Dingen sehr ungerade. In manchen Phasen ging gar nichts mehr. Und die letzten Wochen waren wieder so eine Phase.
    Es stimmt aber auch, dass ich mit den ganz normalen Tiefs schlecht umgehen kann. Ich lebe zu sehr rückblickend und sehe dabei nur verpasste Chancen, vergeudete Zeit. Aaaaber….genau in dieser Woche passieren zwei ganz tolle Dinge. Unkompliziert einen Job gefunden (ich hoffe, das geht auch alles glatt) und Anerkennung für meine nebenbei Radiotätigkeiten. Ich kann also doch was. Um im Grunde ist das auch wieder der Knackpunkt: Ich bin NICHT klein und hilflos. Ich kann was. Ich kann vielleicht noch mehr. Aber das macht mich groß, eventuell unabhängiger, es entfremdet mich von dem was ich bislang kenne. Es sind immer ZWEI Seiten, ZWEI Extreme, die es gibt bei mir. Ich muss mich dadurch wuseln. Jede Seite, jedes Bedürfnis (was wieder komplett das Gegenteil sein kann zu einem anderen) ernst nehmen. Das ist Asti. Und das ist manchmal anstrengend. Uff.
    Und gleichzeitig macht es das alles wieder intensiver. Ich bewerte mich selber und alles immer sehr streng. Läuft es gut, hab ich Angst vor Freude durchzudrehen und mich dadurch abzuheben. Andere könnten das ja als arrogant betrachten. Läuft was schief, dann war das mal wieder typisch und passiert nur mir. So, das war mal wieder episch. :)

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