Gudde Laune

Pand-ASTI-sche Ansichten

Die Nacht ist doch noch jung – Ja, ich aber nicht!

| 7 Kommentare

Es heißt ja: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Im Moment fühl ich mich wie Asti Asbach. Ich häng hier wie ein Schluck Wasser in der Kurve über der Tastatur und habe körperliche Beeinträchtigungen. Ich kann nicht richtig auftreten, weil mir die Fußballen schmerzen (von den Zehen mal ganz zu schweigen).
Um das gleich klar zustellen: Hinter mir liegt keine klassische Partynacht. Also, all das was man so allgemein damit assoziiert hab ich nicht gemacht. Kein besonderes vorglühen, kein beglühen und kein nachglühen. Nein, nein, ich war einfach nur auf einem Konzert. Aber die ganzen Umstände, die Umstände! Liebe Leute!

Mal der Reihe nach. Ich bin ja eher der Typ Konzertgänger, der die Musik live hören möchte, die er schon ganz gut kennt. Ich glaub, ich war noch nie bei einem Konzert, bei dem ich vorher nicht ausgiebig die Musik der späteren Bühnenprotagonisten gehört habe. Manchmal bekommt man ja auch nix für sein Geld geboten oder es ist einfach nur runterdudeln der Musik, ein bisschen mithüpfen und fertig. Gestern war ich in Krefeld beim Welle:Erdball Konzert. Sagte mir bis vor ein paar Monaten gar nix. Ich höre ja ansonsten nur so Mädchen-Rock, ab und an mal auch was aus der Popsparte oder hier und da Musik aus anderen Bereichen. Irgendwie schon „eigentlich alles“. Ja, ich gehöre zu denen, die einen breiten Musikgeschmack haben. Ich hab im Laufe der Zeit gemerkt, dass es da viele schöne Sachen gibt. Extremen Genre oder Szene-Denken find ich ziemlich dämlich. Fast jedes Lied kann zu einer bestimmten Zeit oder in einer bestimmten Situation eine ganz persönliche Bedeutung bekommen.

Welle:Erdball gabs gestern in Krefeld. Das ist jetzt nicht so weit von Duisburg weg, dennoch zeigte sich, dass ÖPNV im Ruhrgebiet nicht unbedingt ausreicht. Naja, okay, wer konnte ahnen, dass das Ganze über 4 Stunden dauern wird. Vor dem Konzert gabs den neuen Welle:Erdball-Film (Operation: Atahualpa).  Low-Budget, B-Movie, Trash. Ganz schön irre, phasenweise auch etwas zäh. Ich lese grad, dass der Film 80 Minuten ging. Ja, das mein ich aber auch. In dieser Zeit wurde auch klar, dass es jetzt nicht so übermäßig voll werden würde. Irgendwann nach 22:00 Uhr ging das Konzert dann los. Ich habe selten so eine konstant begeisterte und feiernde Stimmung erlebt. Und das zweieinhalb Stunden lang. Und ich hab mitgemacht, obwohl ich mit vielleicht nur 30 Prozent der Lieder vertraut war. Sehr feine Musik, sowohl fürs Hirn als auch für die Beine.

Um 00:30 Uhr standen wir wieder draußen. Der Technik sei Dank 😉 erfuhren wir, dass der erste reguläre Zug nach Duisburg um 04:00 Uhr irgendwas fahren sollte. Wir setzen uns erst mal hin. Das war sehr wichtig für mich. Ich hatte eine Nackenverspannung und zwei Füße mit abgestorbenen Zähen. Es zeigte sich, dass modische Schuhe, mit denen man im Alltag zwar auch durch die Gegend flitzen kann, nicht geeignet sind, um solche Tanzorgien zu meistern. Das waren nämlich so Hexenschuhe, die vorne etwas spitze zulaufen. Ich glaube, während des Konzertes hatten sich die Zähen übereinander geschoben. [Jetzt fällt mir gerade auf, dass ich nicht mal mehr der Orthographie mächtig bin. Es heißt ZEHEN! Lieber Himmel. Ich dachte grad die ganze Zeit, das sieht voll komisch aus.]

Schließlich fanden wir doch noch eine Möglichkeit nach Hause zu kommen. Dazu mussten wir erst mal zurück zum Krefelder HBF laufen. Aua. Dazu war es auch kalt und der Magen protestierte auch schon auf seine Art. Also, mit solchen Magenkrämpfen. Ja, ich habe gejammert, ja, ich fand das ganz schlimm. Auch wenn das im Vergleich zu anderen globalen Schicksalen natürlich Kindergarten ist. Nach 20 Minuten bis zum HBF dort dann erst mal die H-Stelle gesucht. Wir mussten nämlich nach Düsseldorf Belsenplatz. 20 Minuten Fahrt. Während der Fahrt meinte einer der anderen, die Nacht sei ja noch jung, man könnte auch noch feiern gehen. Ja, sagte ich, die Nacht ist noch jung. Ich aber nicht! Nein, das wäre nicht gegangen. Mit Anfang 20 habe ich so Scherze noch gemacht. 3 Tage hintereinander rausgehen. „Gestern kam ich heut nach Hause“ nannte meine Mutter das immer. Das ist ja auch total okay, denn diese Partynächte von damals haben jetzt auch nicht mehr so ihren Reiz. Vielleicht einmal im Monat und dann richtig und vor allem mit Spaß und nicht weil es Routine geworden ist. Aber mich ärgert das so! Ich würde es trotzdem gern können.

Gestern bzw. heute Nacht stapfte ich nur wie so ein Teletubbie durch die Gegend. Düsseldorf Belsenplatz ist ne nette Gegend. Allerdings ohne Bude. Wir irrten ein bisschen in der Gegend herum. Und zwei von uns rochen Waffeln. Ja, so fühlen sich Menschen in der Wüste. Die sehen auch Wasser, das gar nicht da ist. Die halbe Stunde Wartezeit um von Belsenplatz nach Düsseldorf HBF zu kommen verbrachten wir damit, Waffeln zu riechen, die nicht da waren, oder in den Seitenstraßen Buden zu suchen. Dabei versuchte ich die Füße nur auf den Fersen zu belasten. Die Zehen waren ja schon längst im Lummerland. Schließlich kam die U74, die zum Düsseldorfer HBF fuhr. Ein echter HBF! Mit Fressbuden. McDonalds kam für mich nicht in Frage. Ich mag das nicht, nachts etwas zu essen, was ich ansonsten eher mittags essen würde. Außerdem will ich auch gar nicht mehr bei McDonalds essen. Natürlich ist das Angebot an Obst und Gemüse um diese Uhrzeit nicht wirklich vorhanden. Für ein überteuertes Mehrkorn-Mozarella-Tomaten-Baguette reichte das Geld nicht mehr. Also, ein Schinken-Käse Croissant. Toll! Wenn man das ganz langsam isst und gut kaut, dann hat man auch das Gefühl: Hey, ich esse grad ganz viel. Es erfüllte seinen Zweck. Der Magen protestierte nicht mehr. Der Zug nach Duisburg kam um 02:22 Uhr. Auch wenn es mir schwerfiel die Augen geöffnet zu lassen, musste ich mich auf den bevorstehen Endspurt vorbereiten. Mir blieben in Duisburg ganze 5 Minuten um einmal das komplette Gleis entlang zu sprinten, durch den Bahnhof zu hechten, um dann noch den Nachtexpress zu bekommen. Das war nicht einfach. Besonders nicht mit solchen Füßen bzw. Schuhen. Aber okay, die Alternative wäre gewesen, bei irgendeiner Bank Geld abzuheben (das ich derzeit nicht wirklich habe), um damit dann ein Taxi zu bezahlen. Ich wollte ja eh demnächst mal zum Orthopäden, weil ich seit ein paar Monaten hin und wieder Hüftschmerzen habe. Der kann sich dann gleich mal meine Füße anschauen.
Also rannte ich los, nur um dann doch noch 5 Minuten an der H-Stelle zu stehen, weil der NE Verspätung hatte. Trotz Mäntelchen war mir kalt. Diese Kälte bei der man sich verkrampft, wenn man zittert. Der Nachtexpress fuhr dann auch noch mal 20 Minuten. Und er ist eben der einzige NE, der um diese Uhrzeit zum letzten Mal fährt und dann aber auch etwas weiter weg von mir hält. Also, im Bett lag ich dann um 03:37 Uhr. (Fassen wir das mal zusammen: Anreise nach Krefeld ca. 1 Std. Dann 4, 5 Std. Konzertprogramm inkl. Vorfilm plus 3 Std. nächtliche Rückfahrt. Und dabei war ich nur in Krefeld. Also, eine Nachbarstadt von Duisburg!)

Heute kann ich nicht mehr richtig laufen. Meine Füße freuen sich, dass ich die ganze Zeit nur barfuß laufe. Die Zehen haben Platz. Und hin und wieder lass ich meine Zehen sich ein bisschen bewegen. Hätte ich so Socken, bei denen jeder einzelne Zeh separat und akkurat umhüllt wird, ich hätte sie angezogen. Später werde ich ein Fußbad machen. Mit extra mildem Waschzeug. Danach werde ich meine Füße mit Creme einschmieren und sie in Wollsocken einpacken.  Ich werde vorher auch ganz dekadent meine Hornhaut entfernen. So ein Körper ist ja auch verbunden (häää????) Also, funktional und auch mit Auswirkungen auf andere Körperteile. Die Bewegungen da unten wirken sich ja auch zum Beispiel auf den Rücken aus. Genau. Der tut auch weh. Mir tut alles weh. Ja, Schmerzen, weil es insgesamt doch ziemlich toll war.

Und da erinnert sich mein kleines Köpfchen wieder an eine Auffassung, über die ich vor 2 Jahren mit jemandem diskutiert habe: „Gute wars, wenns weh tut.“ Jaja, das ist eine bittere Ansicht. Und da steckt natürlich wieder ganz viel hinter. Persönliche Befindlichkeiten und seltsame Vorstellungen über menschliches Miteinander. Ich denke, in Bezug auf Konzerte kann ich diesen Satz aber fortan gelten lassen.

So, und jetzt noch ein Musik. Wir schließen die Augen und machen ein bisschen krach.

(Ich finde ja schon, dass die Lieder live irgendwie mehr knallen. Deshalb auch ein bisschen Live-Musik)





7 Kommentare

  1. Hi Asti,

    ich habe das jetzt nur quer gelesen da mir die Band Namen sowieso nichts sagen würden.
    Aber ganz oben steht ‚Man ist so alt, wie man sich fühlt.‘

    Fühl dich einfach jünger! Und das mit den Schuhen ist ja eh so ein leidiges Thema. Entweder sie sind richtig schick (und bsiweilen auch sexy) oder saubequem. Beides zusammen geht irgendwie nicht. Vorschlag 😉 Mach es so wie eine Kollegin die Tabledance nebenher macht. Nimm 2 Paar mit. Eins für zum abrocken und eins zu Regenration danach 😀

    Emma fährt damit ganz gut. Auch wenn sie auf 0cm Absatz eben nicht aussieht wie auf 12cm 😉

    Und was den ÖPNV anbelangt – HEY als Duisburger Mädel sollte man wissen wie man nach Krefeld kommt und vor allen wie man von dort aus mitten in der Nacht wieder zurück kommt.
    Fahrpläne sind was schönes – man muß sie nur lesen. Dann weiß man vorher ab wann das TAXI die einzige Fähre über den Rhein ist.

    Ansonsten – scheint ein erfolgreicher Abend gewesen zu sein :-)

    Bis bald
    Das Biesel

  2. Huhu,

    ja, aber das mit dem Zweitpaar ist dann auch ein bisschen umständlich, weil mehr Gepäck. Aber für die Zukunft merk ich mir das. Das war nämlich kein Spaß mehr. Und sie tun immer noch weh.

    Mmh, also nee, das war die ÖPNV Verbindung, die das Iphone angezeigt hat. Wir vertrauten der Technik. Und Taxi ging nicht, weil dafür hab ich einfach kein Geld. Also wirklich gar nichts! Nein. nein, nein….

    Grüßchen

  3. Boah, ey. Wat ne Klugscheißerei hier…
    Dat mit den Ersatzschuhen stimmt allerdings. Würden ja vielleicht diese faltbaren Sportschläppchen reichen – die passen auch ohne Competition in die Handetasche.
    Und um dann auch mal bei der Klugscheißerei mitzumachen:
    1) Smartphone: Unersetzlich. Leider liegt der Outcome sowohl bei den Skills des Users als auch bei den Skills der Content-Generierer. Es gibt echt eine Anzahl an Apps, mit denen man sich getrost den Arsch abwischen kann, weil sie nicht aktuell, schlecht programmiert sind oder falsche Infos weitergeben. Ich will es trotzdem nicht mehr missen, ohne Scheiß.
    2) So sehr ich den Ruhrpott auch liebe – Wenn man Party machen will, dann ist es party hard. Selbst beim Pulp kommt man nicht vor sechs Uhr weg, was mich schon immer derbe abgenervt hat. Hier in Hamburg merkt man nicht mal, dass die Sonne schon wieder aufgeht! Ohne Scheiß. Und am Wochenende kommt man immer weg. Ich weiß, du wirst in Duisburg bleiben, aber ich kann es leider nur empfehlen. Man ist nicht zu alt. Ich dachte das auch. Aber dem ist nicht so. Und weißt du, was das für ein Gefühl ist, wenn man auf einmal nicht mehr darüber nachdenken muss, dass man eigentlich lieber zuhause stricken sollte, sondern einfach 15 Minuten in die volle Partyabgeherei fahren kann?

    Äh, egal. Ich bin gerade schon wieder angetüdelt. o_O Nicht ernst nehmen. :) Weitermachen!! (Und Schläppchen kaufen und Ticket nach Hamburg.)

  4. Hmmm…aber doch nicht im Winter! Oje, oje…Im Sommer wären die aber praktisch. Die passen ja auch in kleine Taschen.

    Ja, das ist schon ein bisschen seltsam. Ruhrgebiet ist riesiger Ballungsraum und alle reden immer davon, dass man schnell in die nächste Stadt kommt. Aber das manchmal nicht wenigstens einmal die Stunde was fährt, dass versteh ich nicht. Dieses Loch meist zwischen 2 und 3 Uhr. Klar, ein ganzer Zug für nur 20 Leute wäre ein bisschen dämlich. Aber es gibt ja auch diese kleinen Bahn jetzt hier. Eurobahn oder so. Klein und praktisch, wie die Schläppchen. 😉

  5. Doch, doch. Auch im Winter. Vertrau mir. Nachdem deine Füße den ganzen Abend über abgestorben waren, werden die in den Schläppchen so wahnsinnig durchblutet, dass die gar nicht kalt werden können. Außerdem sind solche nächtlichen Heimkehraktionen nicht selten auch mit Gewaltmärschen verbunden. Bzw. wirst du, nachdem deine Füße ihren engen Käfig verlassen durften, automatisch (aus subtiler Freiheitsfreude) schneller laufen und fester auftreten. :)
    Glaube an die magischen Worte deiner Fußexpertin! :) lol

    Und wenn im größten Ballungsgebiet Deutschlands, wo laut Too Strong man nur „fünf Minuten in eine andere Stadt (…) laufen“ kann, dann nachts kein Verkehr mehr herrscht, dann liegt das einerseits am fehlenden Partyangebot und andererseits an fehlenden Geschäftsideeumsetzungen. :) In Japan gibt es zum Beispiel Taxidienste mit zwei Mann, wobei der zweite dann deine Karre hinter dir her nach Hause fährt. Oder es sollte generell mehr private Beförderungsunternehmen geben, die speziell auf die Partyneeds der Leute ausgerichtet sind. Wie wäre es mit dem Partyplanwagen? :) Da könnte man dann auch drin pennen. 😀 LOL

  6. Ja, wir werden alt. Mir hat gestern auch alles weh getan. Muss aber natürlich auch noch das Konzert verbloggen. :)

    Aber das wichtigste bleibt der Spaß!

    @Riebiesel Wir haben vorher geschaut. Leider ging das Konzert unerwartet lang. Deshalb gab es dann nur noch die hässliche Verbindung per U-Bahn.

  7. Pingback: Jahresrückblick 2010 – Was man nie anpackt, dauert am längsten* | Gudde Laune

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.