Es kann nicht schlimmer werden! Doch es kann! …und dann?
Dienstag, Juni 17th, 2008And I’m just standing there, I can’t say a word, cause everything is just gone. (The Streets)
Genau. Dann ist es soweit. Man fällt…tief….richtig tief. Das Schlimme ist, man prallt nicht auf, man fällt weiter und weiter und hat das Gefühl, da kommt kein Boden. Da bleiben einem nur zwei Möglichkeiten: entweder man gibt sich dem Fall hin, wird irgendwann ohnmächtig und wacht gar nicht mehr auf oder man streckt die Arme aus, fühlt ob es rechts oder links irgendwas gibt, an dem man sich halten kann.
How long? How long will I slide? Seperate my side? (Red Hot Chilli Peppers)
Zunächst einmal muss man begreifen, dass der Fall, der Sturz oder wie auch immer nun mal passiert ist bzw. gerade passiert. Dafür muss man sich nicht schämen und darüber muss man sich auch nicht ärgern. Vor allem muss man sich im Klaren sein, dass man nicht komplett handlungsunfähig ist. In der größten Not hilft vielleicht folgendes:
Und du hältst mich an den Händen, weil du weißt, dass das gut tut, wenn man jemandem Halt gibt, der längst nicht mehr sicher steht. Ein Freund in solchen Momenten. Ein Freund mit Herz und Händen. (Virginia Jetzt)
Sich an seine Freunde wenden und reden, reden, reden. Nicht darüber nachdenken, ob man Horst oder Claudia nervt, weil man die selbe Geschichte grad zum 8. Mal erzählt. Mit vielen Leuten reden. Irgendwann fügt sich das Ganze zu einem Gesamtbild zusammen. Man bekommt Einschätzungen und Rückmeldungen und man kann dadurch viel besser, den eigenen Verstand wieder reaktivieren. Leider geht ja meist das Gefühl bzw. das Herz dem Kopf voraus.
Du hast gesagt, dass die Sonne scheint für den der sie nicht mehr begehrt
Ich sag die Sonne scheint so oder so, die Wolken entscheiden ob du sie siehst
Man könnte sagen das man das stärker liebt was man seltener sieht. (Tomte)
Reden, weiterreden, versuchen die Perspektive auf die Dinge zu ändern. Das ist schwierig, das gelingt auch nicht sofort und selbst wenn es mal gelingt, dann hält das meist nur für kurze Zeit an. Das gilt überhaupt: der Fall ist laaaaaaaaaang. Irgendwann wird das Tempo nur etwas langsamer. Aber das ist auch gut so, dann prallt man nicht voller Wucht unten auf. Aufhalten kann man den Fall nicht, da muss man durch. Zwischendurch sollte man sich aber auch mal zugestehen, dass man fällt. Augen zu und den Rausch genießen.
Ich nähte mir ein Bettbezug aus der Zeit die wir hatten
Und trink mir alte Wunden an so tief und allein. (Selig)
Man sollte nicht versuchen, auf dumme Gedanken zu kommen. Aber es ist ganz normal, dass der Kopf zuerst nur an dem festhält was mal war oder was mal sein könnte. Sich in diesen Gedankenspielen zu verlieren gehört dazu. Das beste Mittel gegen einen Kopf, in dem die Gedanken abwandern und durch denen die Konzentration nachlässt, ist ein aktiver Körper. Raus in die Natur. Und wenns nur 10 min sind, die man joggen kann. Auch keine Angst haben, dass der Körper zusammenbricht (weil man zu wenig schläft oder isst). Kann natürlich passieren, dass man kollabiert….na und! Is doch Wurst. Hauptsache man verschafft sich Bewegung. Sportkurse sind auch toll und vor allem lustig. Alles mitnehmen, auch wenn es sich komisch und nicht echt anfühlt. Irgendwann stellt sich das Gefühl der Freude wieder ein. Lachen zulassen, auch wenn es mechanisch ist und nicht mehr als ein Muskelzucken um den Mund. Das Gefühl, das damit normalerweise zusammenhängt, wird sich auch wieder einstellen.
Man kann sicher nicht behaupten dass es besser wird, wenn es anders wird
aber anders muss es werden, wenn es gut werden soll. (Virginia Jetzt)
Es ist erstaunlich, was man in der größten Krise für Potential in sich entdeckt. Und wie man anfängt, Dinge auszuprobieren und zu machen, die man sich vorher nicht getraut hat. Vielleicht ist es ein EGAL-Haltung, so nach dem Motto: Was soll ich denn jetzt noch verlieren? oder es ist ein seltsamer Drang im Menschen. Im Moment denke ich, dass 24 Stunden für einen Tag überhaupt nicht ausreichen. Die Möglichkeiten sind da, man muss sich ergreifen und mal was riskieren. Ich bin jetzt bei CampusFM im Vorstand. Hab ich noch nie gemacht, kann also nur dazu lernen. Ich bin verantwortlich für die PR und dafür, dass CampusFM Ende des Jahres viele Hörer und Fans in Duisburg und Essen hat (und darüberhinaus). Das bedeutet Verantwortung, das bedeutet jede Menge Arbeit, das bedeutet Mut, das bedeutet tolle Menschen kennenlernen, das bedeutet Fehler machen, das bedeutet LEBEN.
Das ist nicht die Sonne, die untergeht, sondern die Erde, die sich dreht. (Tomte)
Das Leben geht weiter. Irgendwie und ganz bestimmt. Was aber nicht heißen soll, dass es irgendwann gefühlsmäßig nur noch bergauf geht. Der Fall wird langsamer, irgendwann kommt man unten an und dann muss man den ganzen Weg wieder hoch. Ob man dabei bis ganz nach oben krabbelt oder vorher schaut, ob es nicht irgendwo eine Abzweigung gibt, das bleibt ja jedem selbst überlassen. Ich finde, man sollte nicht wieder zu dem Punkt zurück, von dem aus man fiel. Einen komplett anderen Weg wird man aber auch nicht einschlagen können.
Und alles was wir hassen, seit dem ersten Tag
Wird uns niemals verlassen, weil man es eigentlich ja mag. (Tocotronic)
Gewisse Dinge bleiben einfach. Ich werd bestimmt immer in bestimmten Situationen ein Hasenfuß sein. Das ist okay. Ein Leben ohne Neurosen kann ich mir auch gar nicht mehr vorstellen. ![]()
I heard your voice through a photograph
I thought it up and brought up the past. (Red Hot Chilli Peppers)
Was zuerst ein tiefer Schnitt war, heilt langsam zu. Es kann aber passieren, dass z.B. die Kruste der Wunde durch bestimmte Dinge wieder aufgekratzt wird. Dann beginnt der Heilungsprozess wieder von neuem. Und eine Wunde wird nie ganz verschwinden. Irgendwann ist es eine Narbe. Aber Narben tun auch weh. Manche Narben reagieren auf bestimmte Witterungen und schmerzen dann. Es bleibt was zurück, es bleibt traurig. Schwierig zu akzeptieren, wenn vieles um einen herum und bei einem selbst gut und schön ist. Dann stört das, was schmerzt, aber das gehört nunmal dazu.
There are twenty years to go. A golden age I know.
But all will pass, will end to fast, you know. (Placebo)
Und dann gibt es Tage, an denen will man nur ganz viel Grießbrei und findet sich in Tagträumen wieder. Das sollte man zuerst mal hinnehmen und immer daran denken, das wird auch wieder ganz anders sein. Da muss man nur dran glauben und man muss zurückschauen und sich bewusst machen, wie oft man das schon geschafft hat. Der Körper ist zäh, die Seele ist zäh.
Vergiss Romeo und Julia. Wann gibts Abendbrot? Willst Du wirklich tauschen? Am Ende waren sie tot. (Kettcar)
Träumereien können Anregungen geben, aber sie bringen einen nicht wirklich weiter. Einen realistischen Blick zu bekommen, die Perspektive ändern, auch wenn das Gefühl einen fast wahnsinnig macht. Wer das schafft, der schafft fast alles und brauch vor nichts mehr Angst haben.
Meine Gefühle sind an und für sich
lächerlich einfach und einfach lächerlich! (Die Ärzte)
So, und jetzt mal ganz offiziell…Asti dankt: der lieben Teresa für Beistand und Humor, selbst im schlimmsten Chaos; dem Sabi für ein offenes Ohr, dem tollen Gudde-Laune-Party-Programm und den etlichen Kaffeklatsches
; der Emma (Sabis Hund) mit der man so herrlich schmusen kann; der Frau Schmitz für das Freundschaftsangebot und dem tollen Buch; dem Robi, dem Chang, dem Mark, dem Fabian für coole Tanzabende und spannende Lokal-Sitzungen; der lieben Sabine im fernen Bremen; dem lieben Gerd (Alter Mann) der wirklich wusste wo es am besten langgehen sollte; dem Herrn Unkreativ für nette Gespräche und Anregungen; den Leutchen von CampusFM für ihr Vertrauen und ein paar Lesern, die hier auf ihre Art und Weise Anteil genommen haben (z.B. der Herr Spließ oder der Onkel Ecki oder das Kätzchen, oder auch Moni, die/der für kurzweilige Abwechslung gesorgt und noch ein paar andere.)
Ich hab ein bisschen Spaß, solang der Fall etwas ruht.
I was never loyal
Except to my own pleasure zone. (Placebo)Let there be rock! (Tocotronic)
Demnächst kann es schon wieder so aussehen:
This is the hardest story that I’ve ever told
No hope, or love, or glory
Happy endings gone forever more
I feel as if I’m wastin’
And I’m wastin’ everyday. (Mika)


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