Das innere Kind
Freitag, Mai 9th, 2008Jeder hat ein inneres Kind in uns. Es wurde geprägt durch die Eltern. Und dabei kann einiges schief gehen. Mein inneres Kind, das kleine Asti, hat sich sehr stark bemerkbar gemacht. Es hat alle Seiten des Kindes gezeigt, war hin- und hergerissen zwischen Freude, Spontaneität, Neugier, Angst, Rückzug, Lebendigkeit, Verwundbarkeit, Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Belohnung. Zu lang hab ich die kleine Asti nicht ernst genommen. Und nun stell ich mir die Frage, war ich ein geliebtes oder ein und ungeliebtes Kind? Wenn ich mich zurückerinnere, dann denke ich an eine schöne Kindheit zurück. Es war wohl aber eine seltsame Mischung zwischen zuviel Liebe und zuwenig ernst nehmen gewesen. Das Kind hat einfach bekommen, ob es wollte oder nicht. Oder es hat etwas bekommen, auch wenn es was ganz anderes wollte. Außerdem wurde dem Kind ein „komisches“ Beziehungsmuster vorgelebt von zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können.
Die letzten Jahre habe ich das innere Kind abgetrennt, als Schutz, um nicht den Schmerz des inneren Kindes zu fühlen. Das innere Kind war weggesperrt. Die schlimmen Gefühle, aber auch die positiven Gefühle waren nicht mehr zugänglich. Ein großer Mangel an Selbstwertgefühl entwickelte sich, Schuld und Scham waren und sind noch Schlagworte. Angst allein zu sein und zurückgewiesen werden sind die größten Ängste. Auf andere Menschen trete ich mit dieser Erwartung heran und unterstelle ihnen, dass sie mich ja sowieso ablehnen. Jeder schiefe Blick, jedes getuschelte Wort bestätigt meine Erwartung. Kritik bezieht sich nicht auf das was ich tue, sondern auf das was ich bin. Ein böses Wort zuviel reicht da schon aus. Eskalation! Chaos! Teufelskreis! Die kleine Asti hab ich nie ganz angenommen, und dadurch habe ich mich so verhalten wie die Personen, die mich geprägt haben. Mit diesen Mustern bin ich lange Zeit gut gefahren, aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man mit ihnen nicht mehr weiterkommt. Meine “falschen” Denkmuster sind/ waren:
- Ich selber kann mich nicht glücklich machen. Dafür brauch ich andere
- Andere sind für meine Gefühle verantwortlich und ich für ihre
- Das Bedürfnis nach Liebe und Aufmerksamkeit ist falsch.
- Zeige ich Gefühle, bin ich schwach.
- Wenn ich lieb und brav bin, dann werde ich geliebt.
Ich würde gern das innere Kind annehmen und mich nach folgenden Sätzen richten:
- Ich bin selber für mein Glück verantwortlich
- Meine Gefühle möchte ich wahrnehmen und annehmen
- Ich kann für mich selbst Verantwortung übernehmen
- Ich darf auch mal verspielt, albern und kindlich sein
- Ich bin und verhalte mich authentisch, und nicht um etwas zu erreichen.
Mein inneres Kind hat sich immer so bemerkbar gemacht, dass es die Überhand genommen hat. Es hat verhindert, dass sich ein Erwachsener entwickelt. Ein Erwachsener, der sein inneres Kind annimmt und endlich Frieden mit der Vergangenheit schließt. Nein, mein inneres Kind wollte nach außen, wollte mich ganz als Kind haben. Ich wollte versorgt und bemuttert werden. Bloß nichts mit der Welt da draußen zu tun haben. Lieber wieder durch den Geburtskanal zurück ins Warme. Ich habe lange Zeit keine Verantwortung für mein Leben übernommen. Das ist das Schöne an der Kindheit. Man muss sich um nichts kümmern, sich um nichts sorgen machen. Aber Selbstverantwortung bedeutet Unabhängigkeit. Ich brauch das Wohlwollen anderer nicht, um mich selbst als eigenständige und liebenswerte Person anzusehen. Auf sich selber schauen und nicht nach der Bestätigung durch andere suchen. Das ist wahre Unabhängigkeit und Freiheit. Eine schöne Vorstellung, nicht mehr alles in der Umwelt kontrollieren zu müssen, sich nach anderen zu richten, sich anzupassen. Auch mal auf den Tisch hauen, ohne hinterher ein schlechtes Gewissen zu haben. Vor allem auch den Menschen die entsprechenden Gefühle zu offenbaren, ohne sich hinterher versichern zu müssen, wie ist es angekommen? war es okay? Nicht mehr „nur“ lieb und brav sein, sondern so sein, wie ist es dann eben ist. „Lieb und brav sein“ als Schutz hat nur zu Erstarrung und Ausbruch geführt. Das „Wahre“ brodelt unter der Oberfläche. Kleines und großes Asti darf beides sein, wenn eine gesunde Mitte da ist. Und wenn beide endlich Frieden geschlossen haben, dann weiß das große Asti auch viel besser, was es will und wo die Grenzen liegen. Über die eigenen Grenzen habe ich viel nachgedacht. Ich kenne sie. Ich schütze sie. Schwierig wenn mein Gegenüber das nicht versteht und die Grenzen überschreitet. Da gilt es dann sich zu entscheiden. Und Entscheidungen habe ich auch immer sehr ungern getroffen. Aber dann passiert es, dass andere für mich entscheiden. Eine Entscheidung zu treffen, heißt mit den Konsequenzen leben. Und wenn ein anderer entscheidet, dann ist es schwierig, mit den Konsequenzen, die dann folgen, umzugehen.


Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und gib mir die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.
Friedrich Christoph Oetinger
Der is gut, der kommt in meine Sprüche-Box!
Gerngeschehen. Manchmal wird das noch im Gottesdienst gebetet. Dann ist es wohl doppelt wirksam.
Ad Astra
Gut geschrieben. Wie ich schon zu Propero sagte. Das innere Kind ist wichtig. Jeder sollt es nutzen, haben, genießen.
Unserer Gesellschaft ist so erbarmungslos rational. Da fehlt das innere Kind. Find ich zumindest.
Vieles davon kann ich nur unterschreiben. Hast du das alles selbst herausgefunden oder hast du Hilfe gehabt?
Nee,nee mir steht da natürlich ein Profi zur Seite
Du glaubst gar nicht, wie viel davon ich für mich unterschreiben kann! Der Satz “Wenn ich lieb und brav bin, dann werde ich geliebt.” könnte auch von mir sein. Da schüttelt es einen doch, oder?
Auseinandergesetzt hatte ich mich dahingehend mal nach einer schmerzhaften Trennung.
Ich habe danach versucht zu verinnerlichen, dass mein Glück und mein Leben nicht von ihm abhängt. “Jeder ist seines Glückes Schmied” war ein Punkt, den ich damals versucht habe, mir einzubläuen. Theoretisch weiß man ja, was man falsch gemacht hat.
Was nicht heisst, dass ich jetzt nicht die gleichen Fehler wiedermache(n) (würde).
Beziehungsmuster sind teilweise so fest in einem verankert. Nicht nur geprägt durch die Eltern, sondern durch das ganze Umfeld, in dem man aufgewachsen ist und womöglich auch ein wenig “Veranlagung”.
Ich hab auch ein Buch zu dem inneren Kind. Es wurde mir mal von einer Freundin empfohlen. Es heisst Aussöhnung mit dem inneren Kind. Wenn Du magst, gebe ich es Dir, da Du Dich ja scheinbar gerade intensiv damit beschäftigst.
Genau das Buch wollte ich mir schon lange mal holen. Bin im Moment nur so geizig. Ist wohl auch das Standardwerk zu dem Thema. Geben!Geben!Geben!
Ich suche es für Dich raus.
Du weißt, wer Du bist und wie Du bist und Du weißt, dass Du mir gefällst, weil Du bist, wer Du bist und weil Du bist wie Du bist.
Manchmal denken wir zu viel darüber nach, wie wir sind, sein wollen und nicht sein wollen und vergessen vor lauter Nachdenken, einfach zu sein.
Wichtig ist nur, dass Du glücklich bist. Und Deine Umwelt hat zu akzeptieren, auf welche Art Du Dein persönliches Glück realisierst. Wem das nicht passt, der darf gehen, denn es gibt immer andere, denen ein Mensch so gefällt, wie er ist.
Also… geniess Dein Leben. Ich freu mich auf unseren nächsten Kaffee und Unterhaltungen.