Ghosts of Rwanda (Nix amüsantes und nix banales!!!)
Samstag, März 29th, 2008Ein Thema meiner Politikprüfung wird auch der Konflikt bzw. der Genozid in Rwanda sein. Da hab ich mich mittlerweile sehr gut eingelesen. Um mir ein genaueres Bild zu machen hab ich mal geschaut, ob es Dokumentationen dazu gibt. Aufsätze geben zwar auch einen guten Überblick über die Dynamiken und Prozesse, die im Vorfeld zum April 1994 stattfanden, aber das Medium Film kann dies eben noch etwas besser. Im Internet bin ich dann auf den Film “Ghosts of Rwanda” aus dem Jahr 2004 gestoßen. In dem Film kommen sie wirklich alle zu Wort: Romeo Dallaire (Kommandant der UNAMIR), Madeleine Albright (damalige US-Botschafterin bei der UN), Kofi Anan (damaliger UN-Untersekretär für Friedenssicherung) Paul Kagamé (damaliger Kommandant der Tutsi-Rebellengruppe RPF) und viele andere.
Der Film zeigt Original- Aufnahmen von Journalisten und Menschen, die in Rwanda arbeiteten und dort verblieben. Man sieht Hutu-Blockaden, Hilfslager des Roten Kreuzes und partiell auch sehr schreckliche Bilder, die das ganze Ausmaß des Katastrophe erahnen lassen. Belgische Journalisten z.B. haben gefilmt, wie UN-Truppen auf eine große Menschenmenge von Tutsis stießen, die sich zusammen mit Amerikanern verschanzt hatten. Die Tutsis bitten um Hilfe und nutzen die Chance den anwesenden Journalisten zu erzählen, wovor sie Angst haben und das sie gerettet werden wollen. Die UN-Truppen hatten zu dem Zeitpunkt jedoch nur die Aufgabe, Ausländer zu evakuieren. Während der Konvoi mit den Truppen, Journalisten und Evakuierten losfährt, bleiben die Tutsis zurück, während in der Ferne Schüsse und Explosionen zu hören sind. Auch eine Überlebende des Massakers von Nyarubuye kommt zu Wort.
Den Film gibt es auch auf dieser Internetseite. Er umfasst 12 Kurzvideos, allerdings steht dort etwas von 58 Minuten. Ich hab ihn mir bei YouTube angeschaut und war über 2 Stunden mit dem Film beschäftigt.
Der Film ist keine leichte Kost, er zeigt schonungslos die Ausmaße des Völkermordes. Darüber lässt sich sicher streiten, ob und ich welchem Umfang so etwas legitim ist. Ich finde es jedoch wichtig und richtig, denn so bekommen die rund 800.000 ! Opfer (Tutsis aber auch moderate Hutus und nicht zu vergessen die Twa) ein “Gesicht”. Wenn man diese Zahl liest, dann klingt das schlimm und man ist betroffen, aber sie ist so unglaublich groß und übersteigt jegliche Vorstellungskraft. (Das wäre so als ob die Bevölkerung Duisburgs und nochmal 200.000 aus der Umgebung einfach von der Bildfläche verschwinden.)
Der Film hat mich schon sehr mitgenommen und im Moment ist meine Motivation zu lernen etwas gesunken. Ich befasse mich mit Konfliktgegenständen und Ursachen, psychologischen Erklärungsansätzen und Kosten von Kriegen (ökonomische und menschliche Kosten!) Okay, ist Wissenschaft. Muss objektiv sein, aber da hab ich wohl ein zu dünnes Fell.


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