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Zusammen ist man weniger allein!

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Ich war gestern nach langer Zeit mal wieder im Kapitalisten-Tempel am Duisburger HBF, der UCI Kinowelt. Überrascht habe ich festgestellt, dass noch Filme gezeigt werden, die nicht nur aus Spezialeffekten oder dem typischen Hollywood-Plot bestehen. Es läuft dort nämlich tatsächlichZusammen ist man weniger allein„. Ein Film, der von Dialogen lebt und dazu auch noch französisch ist. Fast schon ein Skandal für das Utzi.

Kurz zusammengefasst geht es um vier Menschen, die mehr oder weniger allein und für sich in Paris leben. Da gibt es die magersüchtige Camille, die als Putzfrau arbeitet und in einem Mietshaus unter dem Dach lebt. Im gleichen Haus wohnt Philibert, ein stotternder Adelssprössling und ein komischer Kauz, der durch seine Sprachprobleme und Ticks gehemmt ist im Umgang mit Menschen. Er wohnt zusammen mit Franck, ein Koch und Frauenheld, der jeden Tag von 8 bis 24 Uhr in einem Restaurant schuftet und abends sich entweder die Hirse wegkifft oder Mädels abschleppt oder auch beides zusammen. An seinem einzigen freien Tag in der Woche (Montag) besucht er seine Großmutter, die allein mit ihren Katzen und Vögeln in einem kleinen Häuschen wohnt. Nach einem Sturz muss sie in Krankenhaus und es scheint, dass sie ein Pflegefall wird und nicht mehr alleine wohnen kann.

Camille, Philibert und Franck verweigern sich dem Leben. Ihre Biographien sind gekennzeichnet durch Scheidungen, Einsamkeit und Rückzug. Eines Tages trifft Philibert im Haus auf Camille. Sie freunden sich an und nachdem eine Grippe, die junge Frau überfällt, nimmt Philibert sie in seiner Wohnung auf. Es dauert eine Weile bis auch Franck dies akzeptieren kann. Camille unterscheidet sich gewaltig von seinen Betthäschen. Sie ist mager und eckig und wirkt mit ihren kurzen Haaren eher androgyn. Aus der Zwangsgemeinschaft entwickelt sich allmählich eine echte Wohn- und Lebensgemeinschaft. Erweitert wird sie durch Francks Großmutter. Camille drängt darauf, die alte Frau aufzunehmen und bietet an, sich um sie kümmern. Ein paar Wochen leben die vier unter einem Dach. Camille und Franck beginnen nicht nur den Tisch, sondern auch das Bett miteinander zu teilen. Aber es ist Franck, der sich mehr erhofft, während Camille weiterhin nur vögeln will.

Auf unterschiedliche Weise beginnt die Gemeinschaft langsam auseinanderzubrechen. Philibert, der bei einem Logopäden sein Sprachproblem behandelt, schafft es als Schauspielschüler Fuß zu fassen und eine Frau zu finden. Ferner wird die Wohnung der vier aufgelöst. Sie stammt aus dem Nachlass von Philiberts Familie und soll nun endgültig verkauft werden. Zuerst wird der größte Wunsch der Gromutter, wieder in ihr Haus zurückzukehren, erfüllt. Doch nach nur einer Nacht wird sie von Camille tot in ihrem Lieblingssessel eingefunden. Eine traurige Szene und irgendwie schwebt über dem ganzen Film eine Vorahnung. Franck hält nun nichts mehr in Paris. Er will nach England gehen und dort arbeiten. Er hofft, dass Camille ihn bittet nicht zu gehen. Ihr Unvermögen resultiert aus ihrer Angst… vor dem Leben, vor der ganzen Verantwortung, vor der Nähe etc.

Am Schluss kriegen sie sich natürlich doch! Es mag etwas vorhersehbar und klischeehaft wirken, aber ich hatte bei dem Film nie das Gefühl, da wird etwas zu tief in die Klischeekiste gegriffen. In einer Kritik habe ich gelesen, dass der Film bei drohender Ernsthaftigkeit die Augen verschließt (Beispiel Magersucht). Aber gerade das hat mir gefallen. Tatsächlich ist der Begriff kein einziges Mal im Film gefallen. Es wurde nur verdeutlicht durch das magere Aussehen (Audrey Tautou wirkt noch zerbrechlicher als sonst), die Bemerkungen der Umwelt etc. Ein Bild und ein Blick sagen mehr als 1000 Worte. Auch verlieren sich die Figuren nicht in endlos langen Erklärungsversuchen, warum sie so sind wie sie sind. Es werden gewisse Dinge punktuell angesprochen und das reicht dann auch. Es muss nicht immer alles totgeredet werden. Deswegen wars das auch mit meiner Kritik.

Reingehen! Reingehen!

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